Wander-Antependium in Greiz

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Wander-Antependium in Greiz

Anfang März war das Wander-Antependium noch einmal in Thüringen unterwegs. In Naitschau und Langenwetzendorf (Kirche und Gemeindesaal) bei Pfarrerin Klaudia Riedel und in der Stadtkirche St. Marien und dem Bonhoeffer-Haus in Greiz bei Pfarrer Michael Riedel.

Wander-Antependium in Greiz
Wander-Antependium in Greiz
Wander-Antependium in Greiz
Wander-Antependium in Greiz

Liebe Gemeinde,

richten Sie ihren Blick hier vorn auf das Parament. Dort ist eine Frau abgebildet, mit erhobenen Händen. Sie ist im Hintergrund umgeben von kräftigen, hellwarmen Farben. Diese Farben symbolisieren Gott und seine guten lebensförderlichen Kräfte.

Doch die Frau weist mit ihrem Körper in die andere Richtung, weg von Gott. Vielleicht steht sie gerade in irgendeiner Ferne und fühlt sich verloren. Doch sie steht nicht untätig da. Ihre Augen sehen für mich geschlossen aus, so als würde sie in sich hinein schauen. Vielleicht sieht sie in sich den Schmerz über ihre unerfüllten Wünsche, vielleicht spürt sie die Schuld über ihre falschen Wege, oder sie durchlebt die Trauer über die Ferne und Einsamkeit in ihrem Leben.
Doch sie hebt die Hände. Sie scheint trotz ihrer Ferne Gott im Rücken zu spüren. Sie scheint zu bemerken, dass auch in ihrer Versuchung, in der Ferne ihres Lebens, Gott ihr nahe ist. Sie lässt zu, dass die lebensspendenden Kräfte Gottes in ihren Rücken strömen.

Noch hat sie nicht die Kraft, den Kopf ein Stück zu drehen oder sich umzuwenden, damit sie ganz in das Licht Gottes eintauchen kann und von ihm erfüllt wird. Noch steht sie einfach da, noch braucht es Zeit, bevor sie den nächsten Schritt gehen kann. Dennoch sie steht bereits in Gottes Licht. Auch in ihre Versuchung hinein erreicht es sie, hält sie und gibt ihr Kraft. Es spielt keine Rolle, ob sie sich gleich umdrehen kann oder noch etwas Zeit braucht. Gott ist ihr nahe und seine Nähe ist stärker als ihre Ferne. Sie wird nicht in der Ferne bleiben, sondern den Weg zurück ins Leben, zurück zu Gott finden.

Ich aber – Gott nahe zu sein ist mein Glück.

Und nun machen Sie den Spruch für sich wahr. Sprechen sie innerlich ‚Ich aber’ und stellen sich an die Stelle der Frau.
Auch in unserer Ferne im Leben, in unserer Schuld werden wir von Gott erreicht und umhüllt. Auch in unseren Versuchungen stehen uns Gottes lebensspendende Kräfte zur Verfügung. Wir brauchen nur innezuhalten, uns auf uns selbst besinnen und Gottes Kräfte wirken zu lassen. Dann werden auch wir von seiner Kraft im Rücken gestärkt und werden wieder eintauchen können in sein Leben. Dann werden auch wir bekennen können. Ich aber – Gott nahe zu sein, das ist mein Glück. Dann werden wir aus den Versuchungen herauskommen und ihnen widerstehen können.

Dann werden wir erfahren, was es heißt, dass Gott uns durch das Wort der Wahrheit ins Leben gerufen hat als seine geliebten Geschöpfe.

Amen.

Auszug aus der Predigt zu Invokavit
von Pfarrer Michael Riedel am 9. März 2014
in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Greiz

Wander-Antependium in Saarbrücken

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Wander-Antependium in der Notkirche Saarbrücken
Wander-Antependium in der Ludwigskirche Saarbrücken

Das Antependium mit der Jahreslosung wandert weiterhin durch die Gemeinden und ich freue mich über die Fotos aus diesen völlig unterschiedlichen Kirchen. Gerade war es in Saarbrücken, in der Lukaskirche und in der Evangelischen Notkirche. Jetzt ist es auf dem Weg nach Langenwetzendorf-Naitschau und Greiz.

Liebe Frau Fischer, wir hatten gestern eine sehr gut gefüllte Notkirche und ein wunderschönes Antependium zur Jahreslosung, anhand dessen ich sehr inspiriert war, zum wiederholten Male über die Jahreslosung zu predigen. Am Wichtigsten an Ihrer Gestaltung ist mir, dass Sie das Kreuz so deutlich in den Mittelpunkt gestellt haben, weil es Zentrum unseres Glaubens ist. Dass das Kreuz so offen und dynamisch ist, verdeutlich so klar die Größe und Weite der Liebe Gottes. An Ihrer anbetenden Frau kann ich mich nicht satt sehen. Ja, so wie diese möchte ich Hingabe leben. So hatten wir gestern einen sehr lebendigen und zugleich auch nachdenklichen Gottesdienst, zu dem Sie auch in großem Maß beigetragen haben. Herzlichen Dank dafür! Gott segne Sie reichlich diese Woche und ich freue mich sehr auf den Austausch mit Ihnen, wenn ich Sie im März sehe. Herzlichst, Tabitha Mangold, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken

Wander-Antependium

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Wander-Antependium
Wander-Antependium

Im Austausch mit Pastorin Beate Stutter zum Motiv der Jahreslosung 2014 ist die Idee zu einem Wander-Antependium entstanden. Pfarrerinnen und Pfarrer haben die Möglichkeit, das Antependium für einen oder mehrere Gottesdienste auszuleihen und dann wandert das Antependium weiter in eine andere Gemeinde. Gleich zu den Silvester- und Neujahresgottesdiensten hatte Pastorin Beate Stutter das Antependium für das Kirchspiel Tschirma (bei Gera) ausgeliehen. Das Kirchspiel Tschirma besteht aus den Gemeinden Nitschareuth, Tschirma, Kühdorf und Wittchendorf (dort wird im Winter der Allzweckraum genutzt). Anfang Februar wird das Antependium in der Notkirche in Alt-Saarbrücken zum Frühstücksgottesdienst erwartet und zieht dann weiter nach Kirchheim unter Teck zum Gottesdienst mit Vorstellung der Konfirmanden.

Wander-Antependium
Wander-Antependium

»Ich aber – Gott nahe zu sein ist mein Glück«

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Meine Gestaltung der Jahreslosung 2014

Seit 1970 wird die Jahreslosung von der »Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen« (ÖAB) herausgegeben. Diese Jahreslosung ist zu Beginn eines neuen Jahres Gegenstand und Inhalt unzähliger Gottesdienste. In vielen Schaukästen hängen Bilder und Plakate zur Jahreslosung, deren Motive in verschiedensten Stilen und Techniken von Künstlern gefertigt wurden. Schon zur Jahreslosung 2013 hatte ich Osterkerzen, Karten, ein Antependium und die dazu gehörige Stola gestaltet.

Meine Gestaltung der Jahreslosung 2014 ist nun auch im Logo-Verlag als Karten, Poster und Kerzen erhältlich. Die neue Jahreslosung steht in Psalm 73,28 (Einheitsübersetzung) und lautet vollständig:

»Ich aber – Gott nahe zu sein ist mein Glück.«

Allerdings wurde der Spruch später um die ersten zwei Worte eingekürzt. Dabei sind es genau diese Worte, die mich in besonderer Weise bei der Gestaltung des Motivs begleitet haben. »Ich aber« – diese Worte führen mich zu einer ganz besonderen Zweierbeziehung des Psalmbeters zu Gott, die im Zentrum meiner Gestaltung steht. Im Zentrum das Kreuz. Zentrum meines Glaubens, meines Vertrauens, meiner Hoffnung. Gott, der Seinen Sohn gegeben hat für mich, mir dadurch ganz nahe ist. Im Kreuz strahlt das Licht, das meine Hoffnung ausmacht. Das Licht, das für mich in der Osterkerze scheint. Vielfarbig und umfassend. Gott ist mir nahe, steht buchstäblich hinter mir, gibt mir Rückendeckung auf meinen Wegen, lässt mich Seine Wärme und Seine Lebendigkeit spüren. Und da ist diese Person im Vordergrund. Sie ist Gott nahe, spürt und erlebt Seine Nähe, indem sie Ihm nahe ist. Die Arme weit geöffnet nimmt sie Seine Nähe in sich auf, wird Teil davon in ruhiger, empfangender, betender Weise. Aber nicht starr; trotz aller Ruhe ist Bewegung in den weichen Linien, sie kann ebenso ganz in einen Tanz versunken sein, in dem sie ganz körperlich ihr Bedürfnis nach Nähe zu Gott zum Ausdruck bringt. Sie strahlt eine heitere Ruhe. Sie trägt Blau, die himmlische Farbe, die Farbe des (Tauf-)Wassers, die Farbe der Priesterin, ebenso die Farbe Marias. Dabei steht sie fest auf der Erde und auch die grünen Anteile der Kleidung bringen das Erdverbundene zum Ausdruck. Grün ist die Farbe des Wachsens und Reifens. Schützenswert ist diese Beziehung zu Gott, Zeit und Raum braucht sie, um zu wachsen. In ihrer Predigt zur Jahreslosung schreibt Pastorin Beate Stutter ganz wunderbar dazu:

»Die Person im Vordergrund symbolisiert für mich beides: Offenheit und in sich gekehrtes – und das muss auch kein Widerspruch sein. Sie ist ganz bei sich, fast schon versunken – und darin offen zu empfangen, anzunehmen, wie Gott sich ihr zeigen mag. Sie ist berührt von Gott, das kann man sehen. Wenn ich mich an dieser Stelle sehe – stellen Sie es sich einfach mal vor: Sie selbst in diesem Bild, so dort stehend! Merken Sie, wie sich das anfühlt? Für mich ist das Geborgenheit und Erfüllung, wie ich sie mir schöner nicht vorstellen kann. Da ist Er einfach da. Nicht mehr und nicht weniger.«

Zu manchen Zeiten bin ich voller Gewissheit und Vertrauen auf Gottes Nähe und Liebe. Manchmal ist da nur die Hoffnung auf die Nähe Gottes in Zeiten, in denen ich Seine Nähe nicht spüren kann. Die Hoffnung darauf, dass Er mir trotzdem nahe ist. Mich umfängt und hält, mich stützt und zu mir steht. Beides ist gut und wertvoll und beides ist Glück. Kein lautes, schrilles, aufdringliches Glück. Das Wissen um Gottes Nähe zu mir lässt mich singen und tanzen, aber es ist vor allem ein ganz tiefes, stilles, inneres Glück. Und auch zu wissen, dass ich zu Ihm kommen kann, in Seine Nähe, dass ich darauf hoffen und vertrauen darf, dass ich Gott nahe sein darf, das ist mein Glück.

Die Jahreslosung ist nicht nur eine Jahresanfangslosung. Der Vers soll und kann durch das ganze Jahr begleiten, tragen und ermutigen.

Malwettbewerb zur Jahreslosung

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Bild zur Jahreslosung

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden,
sondern überwinde das Böse mit Gutem.»
Römer 12,21

Bildbeschreibung

Zentral stehen Hände, die – eingehüllt in warmen Lichtschein – einem Samenkorn Schutz zum Keimen und Reifen geben. Aus dem Samenkorn erwächst ein blühender und Frucht tragender Baum, in welchem Vögel leben. Die Vögel stehen klassischerweise für die Verbindung des Irdischen mit dem Himmlischen, sind Boten zwischen den Welten und tragen die in den Früchten enthaltenen Samen weiter fort, so dass sie an anderer Stelle wieder auf fruchtbarem Boden wachsen können. Von unterhalb erstreckt sich ein Riss im Bild, der vom Licht, das die Hände umschließt, aufgehalten wird. Der Riss steht für die Kraft des Bösen, das unterhöhlt, intrigiert und zerreißt.

Der Gedanke

Meine Hände – jede scheinbar noch so kleine und unbedeutende gute, liebevolle, freundliche Tat – schützen und nähren das Samenkorn des Guten. Aus diesem wiederum kann eine starke Pflanze, gar ein Baum wachsen, der blüht und aus sich selbst Frucht und damit wieder Samen trägt. Konkret hatte ich alltägliche Situationen der Ausgrenzung, Beschimpfungen und Herabwürdigungen vor Augen. Eine liebevolle Geste, ein freundliches Wort, ein Einstehen für den Anderen, kann dem Einhalt gebieten. Wo einer zu Boden geworfen wird, reiche ich die Hand, damit er wieder aufstehen kann statt dass die Täter die Gelegenheit bekommen, noch auf ihn einzutreten. Buchstäblich wie im übertragenen Sinn. Was aus solchen Gesten an Wunderbarem erwachsen kann – vor allem wenn es viele davon gibt – ist im besten Sinne nicht absehbar!